Intersektionalität, also die inhaltliche Verknüpfung von verschiedenen politischen Widerständen, ist ein immens wichtiges Thema für die Klimabewegung. 
Wir zeigen oft auf, wie z.B. Antikolonialismus oder Queerfeminismus mit dem Kampf für Klimagerechtigkeit auf inhaltlicher Ebene zusammenhängen. Zwei aktuelle Ereignisse machen klar, dass Intersektionalität gerade auch auf der praktischen Ebene absolut zentral ist. 

Rückschritte in Amerika
Vor einigen Wochen hat der oberste Gerichtshof in den USA, der Supreme Court, das bundesweit garantierte Recht auf Abtreibung revidiert. Konservative Gruppen haben über Jahrzehnte auf diesen Moment hingearbeitet. Republikanische Präsidenten, insbesondere Donald Trump, haben bewusst Abtreibungsgegner und eine Abtreibungsgegnerin an den Supreme Court berufen. Der primäre Grund für deren Ernennung mag dabei das Ziel eines Abtreibungsverbots gewesen sein, doch diese Richter*innen treffen natürlich auch in allen anderen Fällen Entscheidungen. So wurde auch vor wenigen Wochen durch das Gericht die Waffenrechte gelockert und die Regulation des CO2-Austosses von Konzernen verboten.

Verrückt: Armee > Klimaschutz
Als Putin in der Ukraine einfiel, beschloss die bürgerliche Schweizer Parlamentsmehrheit eine gigantische Erhöhung der Militärausgaben auf jährlich bis zu 9.4 Mia. bis 2030. Zur gleichen Zeit verabschiedete der Nationalrat einen Gegenvorschlag zur Gletscherinitiative, welcher jährlich Investitionen in der Höhe von mehreren hundert Millionen Franken für den Klimaschutz garantieren würde. Nun aber meinte Ueli Maurer, dass man aufgrund der Armeebudgeterhöhung in anderen Bereichen sparen müsse, unter anderem beim Klimaschutz. Der Ständerat möchte die Gelder bei der Gletscherinitiative nun um eine Milliarde kürzen.

Diese beiden Beispiele zeigen auf, wie vordergründig separate Entscheide durch die gleichen Institutionen und Personen beschlossen werden. Rechte Mehrheiten in Bundesrat, Parlament oder an den Gerichten schaden allen emanzipatorischen Anliegen. Klimaschutz ohne Feminismus oder Antimilitarismus funktioniert nicht, und umgekehrt. Wir müssen gemeinsam kämpfen, weil wir nur gemeinsam gewinnen können.